2011 – Meine erste grosse Tour

Im Juli 2011 planten wir eine Tour von Zuhause über das Südtirol, Norditalien,  mit kurzem Abstecher nach Frankreich, durchs Wallis und über das Pässe-Karussell wieder nach Hause.  Unsere Kinder waren alle in einem Lager, welches wir auf dem Weg besuchen wollten.  Die Tour sollte 5 Tage dauern.

Sobald wir die Kinder am Bus ins Lager abgeliefert hatten ging es los. Wir hatten eine lange Strecke vor uns, denn bis am Abend wollten wir am Lago d’Iseo (I) sein.  Also fuhren wir auf dem schnellsten Weg, sprich der Autobahn,  Richtung Flüelapass. Über den Ofenpass gelangten wir ins Südtirol. Wir geniessen es jedes Mal durch den Schweizer Nationalpark zu fahren. Die Landschaft dort ist für unser Land wirklich einzigartig. Kaum im Südtirol bogen wir auch schon ab zum viel beschriebenen Stilfserjoch. Wir dachten, das wäre sicher das Highlight des Tages, aber da kam noch Besseres.

Kaum in Bormio lenkte ich die Q den Gaviapass hinauf. Auch dieser Pass ist landschaftlich sehr schön. Meine Frau auf dem Sozius hatte viel zu staunen. Allerdings hatte sie auch einiges zu „motzen“. Ihr gefiel die ruppige Strasse gar nicht. Das Sahnehäubchen dieses Tages erwartete uns allerdings noch.  Leider machten wir einen riesen Fehler, denn wir wissen nicht wie dieser Pass heisst. Wir wissen nicht einmal, ob es überhaupt ein richtiger Pass ist. Bei  Edolo folgten wir einer Strasse welche sehr schmal und sehr kurvenreich durch den Wald führte. Wir waren kilometerlang alleine auf der Strecke. Oben erwartete uns eine wunderschöne blühende Landschaft. Der Ort (eigentlich die 1-2 Häuser) dort hiess Loritto. Auf einer etwas breiteren Strasse ging es langsam wieder ins Tal. Haarnadelkurven wie zum Beispiel am Stilfserjoch sucht man hier vergebens und schnell fahren liegt auch nicht drin, aber die Strecke ist wirklich ein Geheimtipp.

Als ob wir noch nicht genügend Kilometer in den Pobacken gehabt hätten, machten wir noch einen Umweg über den Passo del Vivione. Früher als gedacht kamen wir verschwitzt beim kleinen Hotel in Darfo-Boário Terme an. Allerdings mussten wir feststellen, dass es wohl gut war, dass wir auch müde waren, denn irgendwie waren wir in einem riesigen Altersheim gelandet 🙂

Tag 2: Nach einer erholsamen Nacht gab es ein böses Erwachen. Obwohl es unsere erste Tour über mehrere Tage war, haben wir alles eingepackt. Nur nützt es nichts, wenn man das Ladegerät für die Sprechanlage zwar einpackt, aber am Abend nicht benutzt. Weil wir es noch vor dem Frühstück bemerkt haben, konnten wir die Geräte doch noch eine knappe Stunde aufladen. Unser Versäumnis sollten wir später allerdings doch noch bereuen.  Als wir nämlich abfahren wollten war plötzlich das Navi weg. Nachdem wir alle Gepäckstücke erfolglos durchsucht  hatten (wobei wir nicht wirklich alles auf dem Parkplatz ausräumen wollten), zogen wir auch die Möglichkeit in Betracht, dass es wohl am Vorabend am Motorrad vergessen wurde und nun gestohlen war. Tja, gut dass wir die geplante Strecke auch als Karten ausgedruckt hatten. Uns stand an diesem Tag eine eher langweilige Etappe bevor. Es sollte quer durch Norditalien gehen. Leider gibt es auf dieser Strecke keine wirklich interessanten Abschnitte.  Los gings über Lóvere,  Ponte Nossa, an Bergamo vorbei Richtung Lecco. Mehrmals mussten wir feststellen, wie praktisch eine aufgeladene Sprechanlage doch ist. Mehrmals mussten wir uns beraten, weil unsere selfmade Karten auch nicht immer so toll waren oder weil der Fahrer nicht dauernd auf die Karten schielen kann. Gut dass es heiss war, so hatten wir unsere Helme sowieso offen und ob wir am Abend heiser sein könnten  oder nicht, war ja egal. Am Nachmittag überraschte uns auf dem Weg von Serravalle Sésia nach Valle Mosso  ein winziger Regenschauer. Aber hmm…. wo kam dieser nur her?  Weit und breit war keine Wolke. Es gab auch keine Heckenschützen mit Gartenschläuchen oder Sprinklern.  Es war echt lustig und an einem Tag wie diesem kam uns dieses Rätsel gerade recht.
In der Nähe von Biella wollten wir übernachten. Nun schalteten wir unsere Sprechgeräte ein, welche wir den ganzen Tag aufgespart hatten für die Suche nach einer Unterkunft. Leider sind wir wohl etwas wählerisch, denn schon bald gaben die Intercom den Geist wieder auf, ohne dass wir ein Bett zum Übernachten gefunden hätten.  So ging die Schreierei  eben noch etwas weiter. Biello hatten wir bereits hinter uns gelassen. Ohne unser Wissen fuhren wir auf einen kleinen Pass (wir haben es erst gemerkt, als wir das Schild mit der Passhöhe gesehen haben). Auf dieser Passhöhe, in der Ortschaft Broglina gab es ein Gasthaus mit sehr netten Besitzern. Also entschlossen wir uns, dort zu übernachten. Gerade rechtzeitig, denn 30 min. später gab es ein schönes Gewitter.

Tag 3:Auf diesen Tag hat sich vor allem meine Frau sehr gefreut. Heute wollten wir den Mont Blanc sehen.  So schlängelten wir uns, wieder bei schönstem Sommerwetter,  das kleine Pässchen hinunter und machten uns auf den Weg Richtung Aostatal.
Dieses enge Tal mit beeindruckenden Bergen auf beiden Seiten ist zwar fahrtechnisch nicht anspruchsvoll, aber Landschaftlich wirklich ein Juwel. So störte es uns gar nicht, dass es hier etwas mehr Verkehr hatte und wir nicht so schnell vorwärts kamen. Es gab immer viel Schönes neben der Strecke. Der meiste Verkehr bog  zum Grossen St.Bernhard ab, aber wir bevorzugten  den kleinen Bruder. Der Kleine St.Bernhard hat auch sehr viel zu bieten. Vor allem meine Sozia kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Gut dass ich drei Koffer montiert hatte, sonst wäre sie vor lauter staunen bestimmt runter gefallen. Natürlich war der Mont Blanc in Wolken gehüllt. Jetzt wussten wir auch, wieso man uns zuhause sagte, dass wir diesen Berg auf dieser Strecke bestimmt nicht zu Gesicht bekämen.  Obwohl sehr beeindruckend, ist der höchste Berg Europas wohl sehr scheu. Weshalb sonst sollte er sich dauernd verstecken?
Auch auf der Französischen Seite ist die Gegend nicht weniger beeindruckend. In Bourge-St Maurice bogen wir gleich zum nächsten Pass ab. Fragt jetzt bloss nicht wie er hiess, das haben wir nämlich vergessen und nicht wieder herausgefunden.  Auf jeden Fall ist er durchaus sehens- und fahrenswert.  Auf der anderen Seite machten wir eine Pause am malerischen Lac de Roselend.  Gemütlich ging es weiter über Beaufort nach Chamonix. Der Gletscher welcher auf dieser Seite des Mont Blanc liegt löste bei meiner Frau schon wieder begeisterte Rufe aus.  Da merkten wir das erste Mal, dass es wirklich Mist ist, dass sie keine Kamera hat um während der Fahrt zu knipsen.
Eigentlich wollten wir irgendwo zwischen Chamonix und der Schweizer Grenze übernachten. Der Wetterbericht für den übernächsten Tag sagte allerdings den ganzen Tag Unwetter voraus. Aus diesem Grund entschlossen wir uns, etwas weiter zu fahren um  am nächsten Tag die Tour zu beenden. So kurvten wir weiter ins Wallis und landetet schlussendlich in Crans Montana. Nach kurzer Suche fanden wir ein bezahlbares Hotelzimmer direkt am See.  Wie schon an  jedem Tag der Tour freuten wir uns sehr auf die Dusche. Temperaturen um die 30°C sind nicht immer schön. Wir wollen uns aber nicht beklagen, denn auf den höheren Passagen freut sich meine Frau immer wenn es nicht zu kühl wird.

Tag 4: Ziemlich früh machten wir uns auf den Weg quer durchs Wallis. All die kleinen Seitentäler und Umwege welche wir geplant hatten, haben wir ausgelassen. Die Zeit war dafür einfach zu knapp. Das Pässekarussell liessen wir uns allerdings nicht entgehen. Zum Nufenen hinauf wurde es immer kälter. Wiedermal war meine Sozia froh, dass es im Tal heiss war, denn so hatte es doch noch wenige plus Grade.  Vor lauter Kälte haben wir uns auf der Passhöhe nicht mal eine Pause gegönnt. Zudem hing auf der Nordseite des Nufenen eine grausige schwarze Wolke. Sollte das etwa schon das Unwetter sein? Hoffentlich nicht, denn wir hatten noch eine lange Strecke vor uns. Den ganzen Weg zum Gotthard haben wir die Wolke beschworen, sie solle doch bitte in eine andere Richtung als wir ziehen. Froh darüber, dass die Strasse trocken blieb, haben wir uns die alte Passstrasse, die Tremola, hinauf beeilt.
Geschafft, wir sind trocken bis nach oben gekommen. Leider hat uns der Regen genau auf der Passhöhe des Gotthard eingeholt und wieder wurde nichts aus einer Pause.  Nach den ersten Kurven hinunter nach Andermatt fanden wir das schöne Wetter schon wieder. Von den Kurven hatten wir noch lange nicht genug, deshalb haben wir den Furkapass gleich angehängt. In Gletsch  gönnten wir uns endlich eine Pause, bevor es uns über den Grimsel ins Haslital trieb.
Unsere Kinder waren zu dieser Zeit im Sommerlager in Hasliberg, das wie wir feststellen mussten, gar nicht so einfach zu finden war. Unser Navi wollte uns ständig auf eine Strasse mit Fahrverbot führen.  Mehrere Wege in Meiringen haben wir ausprobiert, aber immer wieder landeten wir an dem verbotenen Strässchen durch den Wald. Gut ist unser Freund und Helfer immer in der Nähe, gleich neben dieser Strasse war ein Poizeiposten (was uns wohl auch davon abhielt einfach diesen Weg zu nehmen).  Nach kurzer Frage war dann alles klar und wir fanden den Weg zu unseren Kindern. Elternbesuch im Lager ist ja eher uncool, kommen die Eltern aber auf einem gei…. Motorrad  ist es ganz was anderes. Viel Zeit blieb nicht, denn wir wollten ja vor dem Unwetter nach Hause. Also düsten wir schon bald wieder los zum Sustenpass. So langsam hatten wir genug für heute und unsere Po’s wollten auch nicht mehr wirklich. Also suchten wir nur noch den schnellsten Weg. Der führte uns über den Klausenpass via Glarus, Wattwil auf die Schwägalp. Seit Glarus verfolgten uns ständig die einschüchternden schwarzen Wolken.  Aber wie sagt man so schön….? Wenn Engel reisen….. Um halb acht waren wir zuhause, und 30 Minuten später hat es wie aus Kübeln geschüttet und bis am Abend des anderen Tages auch nicht mehr aufgehört. Das Fazit aus der ganzen Tour:Es war wunderschön. Für unsere erste längere Tour gar nicht schlecht.  Wir haben viele Gegenden kennengelernt, die wir noch nie gesehen hatten.Für das nächste Mal haben wir bereits eine Kamera für die Sozia besorgt. Damit kann sie super während der Fahrt Fotos knipsen. So gibt es beim nächsten Bericht hoffentlich auch mehr Bilder. Auf zukünftigen Touren wollen wir nicht mehr so viele Kilometer am Tag fahren. Das gemütlichere Touren, müssen wir aber erst noch lernen, denn wir wollen immer zu weit kommen. Zudem haben wir gelernt, dass man die Sprechanlage auch aufladen sollte : Das Wichtigste ist aber, das war bestimmt nicht unsere letzte Tour!!!!!!

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